Energiegewinnhaus, Fürfeld:

Der Neubau dieses Einfamilienhauses in Fürfeld bot die Möglichkeit nicht nur energiesparend zu sein, sondern es konnte ein zukunftsfähiges Modell in Technik, Funktion, Raumqualität und Architektursprache entwickelt werden. Entstanden ist ein Gebäude, dass durch Ausnutzung der Topographie mehr Strom produziert als der Nutzer verbraucht und als fast autarkes Bauwerk betitelt werden kann. Wichtig war dem Architekten, dass dieses Konzept auch in eine ansprechende Architektursprache verpackt wurde.

 

Beschreibung
Eine wesentliche Aufgabe der Gegenwart und der Zukunft ist die Gestaltung einer sicheren, umweltfreundlichen und wirtschaftlichen Energieversorgung. Dabei sind sowohl die Versorgung, die Deckung des Bedarfs, als auch der Bedarf selbst zu optimieren. Ideal ist ein minimierter Bedarf, der vollständig aus regenerativen Energien gedeckt wird. Unter diesem Aspekt ist das Energiekonzept für das Energiegewinnhaus entstanden.

Art des Wärmeerzeugers
Die Wärmeerzeugung erfolgt einerseits über die Heißgasabschöpfung der effizienten Wärmepumpe für die Warmwasserbereitung und andererseits über die Erdkollektoren im Energiegraben rings um das Gebäude. Hierdurch ist weder ein Gas- Anschluss noch die Versorgung mit Bio- Masse erforderlich. Das Passivhaus wird durch eine Lüftungsanlage mit Wärme versorgt. Es ist nur im Bad eine Fußbodenheizung als Ergänzungsmaßnahme ausgeführt. Die Lüftungsanlage hat eine 92%igen Wärmerückgewinnung.

Solare Nutzung
Die solare Nutzung besteht aus der Installation der Photovoltaik- Anlage, die 8,84 kWp erbringt. Die Berechnung nach PHPP hat einen Überschuss der Endenergie von 5.350 kWh/a und der Primärenergie von 13.455 kWh/a ergeben. Hierdurch wird auch die CO2-Reduktion negativ, was positiv zu bewerten ist.

Lüftungsanlage
Die Lüftungsanlage dient der Beheizung und der Frischluftzufuhr aller Räumlichkeiten. Die Lüftungsleitungen sind teilweise als Bodenkanäle in den unteren Geschossen und in den Decken in den Obergeschossen verlegt. Es gibt einen Auslass der Luft in der fensterlosen Nordfassade. Die Luftabfuhr erfolgt über die Absaugung in den Bädern und die Wärmerückgewinnung, die einen Wirkungsgrad von 92% hat.

 

Architektonisches Konzept
Äußere Erschließung
Auf Grund der Hanglage und der steigenden Straße zum Haus hin, wurde bewusst auf eine Erschließung an der Stirn- bzw. Straßenseite des Hauses verzichtet. Die Erschließung erfolg seitlich aus nordöstlicher Richtung.

Innere Erschließung
Beim Betreten des Gebäudes wird deutlich, dass der Eingangsbereich in seiner Höhe und Größe im Vergleich zu anderen Räumen recht klein und eng wirkt. Zudem ist der natürliche Lichteinfall sehr gering gehalten, um eine für den Besucher imaginäre Wegeführung zu gewährleisten. Der Besucher wird automatisch aus der „Enge" des Eingangsbereiches in das „Offene" des Wohnraumes, erzwungen durch eine höhere Raumhöhe, geleitet. Auch das „Dunkle" des Eingangs zwingt den Besucher in das „Helle" der Aufenthaltsräume zu gehen.
Vom Engen und Dunklen zum Offenen und Hellen!
Vertikal wird das Gebäude durch eine einläufige Treppe vom Untergeschoss ins Erdgeschoss erschlossen. Eine kurze einläufige Treppe führt von der Erdgeschossebene auf ein etwas höher gelegenen Galerie- bzw. Arbeitsebene. Von dort aus erschließt eine weitere einläufige Treppe das Dachgeschoss.
In der Horizontalen dienen kurz gehaltene Flure zur Erschließung der einzelnen Zimmer.

Bauweise
Durch die Topografie wurde der eingeschobene Sockel in WU-Beton ausgeführt. Ziel war es, ein Passivhaus als Passivhaus mit ökologischen Baustoffen und moderner Architektursprache zu artikulieren. Hierzu waren enormen Dämmstärken erforderlich, die im Sockel mit 26-30cm Perimeterdämmung WLG 0,035 betrugen. Um Wärmebrückenfreiheit in einem beheizten Untergeschoss zu erhalten, ist die Perimeterdämmung umlaufend unter die Fundamente und
Bodenplatten gebracht worden.
Auf den Betonsockel gründet eine Holzständerwand aus TJI-OSB-Steg-Trägern. Deren Zwischenräume mit Zellulosedämmung WLG 0,040 gefüllt sind. Bei einer Stärke von 40cm und einer zusätzlichen Außendämmung aus Holzfaserplatten von 4cm, kommt die Außenwand auf einen U-Wert von 0,091 W/(m²K). Das Dach ist in der gleichen Konstruktion ausgeführt.

Konzeption
Die Aufgabe des Architekten war, ein zukunftsfähiges Gebäude in Funktion, Technologie und ansprechender Architektursprache zu entwerfen. Es sollte sich von den umliegenden Gebäuden abheben und vor allem auf die stetig wachsende Problematik des Klimawandels und Knappheit der natürlichen Ressourcen reagieren. Mit diesen Vorgaben und der Lage des Grundstückes und Ausrichtung zur Sonne, entstand eine topographieberücksichtigende Gebäudegeometrie, die sich in 7m Breite und 15m Tiefe wiederspiegelt. Durch diese Tiefe konnte genug Dachfläche geschaffen werden, um eine ca. 80m² große Photovoltaikanlage unter zu bringen. Durch diese Bauform ist eine keller- und kostenreduzierende Bauweise entstanden.

Um auf die Vorgaben des Bauherren und der Ressourcenknappheit einzugehen, ist ein sogenannter „Energiegraben" umlaufend um das Haus in einem Meter Tiefe als Erdkollektor eingebaut worden. Dieser versorgt das Haus, in Verbindung mit einer Wärmepumpe und geregelten Lüftungsanlage, mit ausreichender Heizwärme und Warmwasser. Es finden daher keine Verbrennungsvorgänge im Haus statt, was wiederrum eine Unabhängigkeit des Hauses von fossilen Brennstoffen ausmacht.
Dieses Gebäude kann, abgesehen von der Wasserzufuhr, energetisch autark geregelt werden. Die Wärme wird aus der Umwelt genommen, die PV-Anlage produziert mehr Strom als die Bewohner verbrauchen. Es ist bei der Einspeisung des produzierten Stromes sogar ein Gewinn von ca. 5.350Kwh/a prognostiziert.

Auf Grund der solaren Nutzung wurde die Nord- bzw. Straßenansicht komplett geschlossen. Auch die Ostfassade ist mit nur wenigen, kleinen Fensteröffnungen versehen worden. Es ist ein Wechselspiel zwischen den einzelnen Fassaden und deren Öffnung entstanden. Um genügen Sonnenenergie auch in das Haus zu bringen, sind daher die Süd- und Westansicht großzügig geöffnet. Um die recht geschlossene Ostfassade im Innenraum dynamisch wirken zu lassen, wurde ein Einbauschrank als Bibliothek über deren ganze Innenwandfläche eingebaut. Die Treppe folgt der Topographie entlang der Bibliothekswand über fast alle Ebenen. Mit unterschiedlich tiefen Kuben und den Aussparungen im Schrank für die kleinen Fenster, wurde ein Spiel mit Licht und Schatten gestaltet. Die Innenwand wird daher lebendig und wertet die Raumqualität weiter auf.

Zudem sind die über den Tag am häufigsten genutzten Räume durch deren größere Raumhöhen hervorgehoben, sodass auch hier eine Aufwertung der Raumqualität gewährleistet wird. Ein Luftraum zwischen Wohn- und Galerieebene intensiviert dieses Vorhaben und hat den Vorteil der Luftzirkulation im ganzen Gebäude. Weiß gehaltene Wände dienen ebenfalls zur Steigerung der Raumqualität.

 

1. Preis für energiesparendes Bauen
Am 21.04.2010 wurde die Preisverleihung zu dem Wettbewerb - "unser ener"_Wettbewerb für energiesparendes Bauen und Modernisieren - in den Räumlichkeiten des rheinland-pfälzischen Landtages durchgeführt.
Unser Projekt "Energiegewinnhaus Fürfeld" hat sich auf Grund architektonischer und energetischer Konzeption, aber auch durch Einbindung des Gebäudes in seine natürliche Umgebung, von den ca. 30 Wettbewerbsteilnehmern in der Kategorie "Neubau" abgehoben und den 1. Preis erhalten.
Die Preisübergabe erfolgte in einer zeremonieller Veranstaltung durch die Ministerin für Umwelt, Forsten und Verbraucherschutz, Frau Margit Conrad. Das Bauherrenehepaar nahm neben einer Urkunde und einer Plakette, die zur Anbringung am Gebäude gedacht ist, auch einen Geldbetrag entgegen.

„Die Ergebnisse des Wettbewerbs zeigen den hohen Standard von Energiesparhäusern in Rheinland-Pfalz.  Unser Land ist voller Energie und diese wird genutzt, wenn alle, vom Architekten bis zum Handwerker, eng zusammenarbeiten und die Möglichkeiten der Erneuerbaren Energien sowie moderner Bautechnik ausnutzen. Die Bauherren profitieren langfristig, denn sie sind viel unabhängiger von steigenden Energiepreisen und ihre Häuser sind ein Beitrag zum Klimaschutz “, so Ministerin Conrad.

 

2. Preis - Wettbewerb "Grünes Haus - Wärme 2011"
Auf der Preisverleihung des Wettbewerbs „Grünes Haus Wärme 2011“ am dritten Februar 2011 im Haus der Bundespressekonferenz wurde das Architekturbüro Mannert, Bad Kreuznach, mit dem zweiten Preis ausgezeichnet. Das eingereichte Projekt „Energiegewinnhaus Fürfeld“ zeichnet sich durch eine umweltfreundliche und wirtschaftliche Energieversorgung aus. Abgesehen von der Wasserzufuhr wird der Energiebedarf autark geregelt. Die Wärme wird aus der Umwelt gewonnen. Für den Strom sorgt eine PV‐Anlage, die sogar einen Überschuss produziert. Das Besondere an dem Projekt ist der um das Haus verlaufende Energiegraben, der das Haus in Verbindung mit einer Wärmepumpe und einer Lüftungsanlage mit Heizwärme und Warmwasser versorgt. Das Haus ist daher auch unabhängig von fossilen Brennstoffen. Der Preis wurde von Tilo Mannert entgegengenommen.